Enie van de Meiklokjes: Berlinerin verrät ihr Backrezept für „verdrehte Osterhäschen“

Kurz vor Ostern verwandeln sich Backstuben und Küchen in ganz Deutschland in kleine Werkstätten voller Hefeteig, Zucker und Vorfreude. Enie van de Meiklokjes, die Berliner Konditorin und TV-Bekanntheit, teilt in dieser Frühlingssaison ihr persönliches Rezept für sogenannte „verdrehte Osterhäschen" — Hefegebäck-Figuren, die durch eine besondere Drehtechnik ihre charakteristische Form erhalten. Der Teig duftet nach Vanille und Zitronenschale, die Küche wärmt sich beim ersten Gehvorgang auf, und das Ergebnis sieht aus, als käme es direkt aus einer Berliner Konditorei. Kein Fondant, keine Lebensmittelfarbe, keine übertriebene Dekoration — nur handwerklich geformte, goldbraune Hasen aus lockerem Hefeteig.

Was dieses Rezept von gewöhnlichen Osterhasen-Keksen unterscheidet, ist die Formgebung: Jeder Hase entsteht durch das Verdrehen zweier Teigstränge, die beim Backen aufgehen und eine dreidimensionale, fluffige Figur ergeben. Enie erklärt dabei nicht nur die Schritte, sondern gibt auch den entscheidenden Hinweis, warum die Ruhezeit des Teigs so wichtig ist — und warum man den Backofen niemals zu früh vorheizen sollte. Wer Ostern etwas auf den Frühstückstisch bringen möchte, das Eindruck macht ohne stundenlangen Aufwand, zieht jetzt am besten die Schürze über.

Vorbereitung30 Min.
Ruhezeit90 Min.
Backzeit18 Min.
Portionen12 Häschen
SchwierigkeitsgradMittel
Kosten
SaisonFrühling · Ostern · Zitrusschale, Vanille

Geeignet für: Vegetarisch

Zutaten

Für den Hefeteig

  • 500 g Weizenmehl Type 550
  • 1 Würfel frische Hefe (42 g) oder 1 Päckchen Trockenhefe (7 g)
  • 80 g Zucker
  • 1 Prise Salz
  • 250 ml Vollmilch, lauwarm
  • 80 g weiche Butter, in Stücken
  • 2 Eier (Größe M), Zimmertemperatur
  • 1 TL abgeriebene Bio-Zitronenschale
  • 1 TL Vanilleextrakt oder das Mark einer halben Vanilleschote

Zum Bestreichen und Dekorieren

  • 1 Eigelb
  • 2 EL Milch
  • Hagelzucker oder Sesamkörner nach Belieben
  • 12 kleine Rosinen oder Schokotropfen (für die Augen)

Utensilien

  • Küchenmaschine mit Knethaken oder Handrührgerät
  • Große Schüssel mit Frischhaltefolie
  • 2 Backbleche mit Backpapier
  • Teigschaber
  • Küchenwaage
  • Backpinsel
  • Küchentuch oder sauberes Leinentuch

Zubereitung

1. Den Hefeteig ansetzen

Die lauwarme Milch — sie sollte zwischen 35 und 38 °C haben, wärmer tötet die Hefe ab, kälter hemmt ihre Aktivität — in die Schüssel der Küchenmaschine geben. Die Hefe hineinbröseln, einen Teelöffel Zucker dazugeben und kurz verrühren. Fünf Minuten stehen lassen: Die Mischung sollte leicht schäumen und angenehm hefig duften — das ist das Zeichen, dass die Hefe aktiv ist. Erst dann Mehl, restlichen Zucker, Salz, Eier, Zitronenschale und Vanille dazugeben. Mit dem Knethaken bei mittlerer Stufe etwa 8 bis 10 Minuten kneten, bis ein glatter, elastischer Teig entsteht. Die weiche Butter in drei Etappen hinzufügen und jeweils vollständig einarbeiten lassen. Der fertige Teig löst sich vom Schüsselrand und fühlt sich seidig an — leicht klebrig, aber nicht zäh.

2. Erste Gehzeit

Den Teig zu einer Kugel formen und in der Schüssel mit Frischhaltefolie oder einem feuchten Tuch abdecken. An einem warmen, zugfreien Ort 60 Minuten gehen lassen, bis sich das Volumen sichtbar verdoppelt hat. Ein bewährter Trick: den Backofen für zwei Minuten auf 50 °C vorheizen, ausschalten, dann die Schüssel hineinstellen und die Ofentür schließen. Das gleichmäßige Klima beschleunigt den Prozess ohne die Hefe zu stressen. Der Teig riecht jetzt milchig-fruchtig, fast wie frisches Brot vor dem Backen.

3. Die Teigstränge formen

Den gegangenen Teig auf eine leicht bemehlte Arbeitsfläche geben und kurz durchkneten, um die Gärgase zu entweichen — man nennt das Zusammenstoßen. Den Teig in 24 gleich große Stücke teilen, jedes etwa 40–45 g schwer. Aus jedem Stück einen gleichmäßigen Strang von rund 20 cm Länge rollen. Dabei mit beiden Handflächen von der Mitte nach außen rollen, mit leichtem Druck, bis der Strang überall die gleiche Dicke hat. Je zwei Stränge nebeneinanderlegen, an einem Ende zusammendrücken und dann gegeneinander verdrehen, sodass sich eine gleichmäßige Spirale ergibt. Dieses Verdrehen ist der Kern von Enies Rezept: Die Spirale öffnet sich beim Backen leicht auf, was dem Hasen sein typisches, luftiges Aussehen verleiht.

4. Die Hasenform gestalten

Den verdrehten Strang zu einem U biegen. Die beiden Enden nach außen und leicht nach oben umklappen — das werden die Ohren. Das untere gebogene Ende leicht plattdrücken und mit zwei Fingern zu einem runden Kopf formen. Die Häschen mit ausreichend Abstand auf das mit Backpapier ausgelegte Blech setzen — sie gehen noch einmal auf. Wer möchte, kann mit den Fingerspitzen die Ohrenspitzen leicht zusammendrücken, damit sie beim Backen senkrecht bleiben. Jetzt zwei Rosinen oder Schokotropfen als Augen eindrücken.

5. Zweite Gehzeit und Backen

Die Bleche locker mit einem sauberen Tuch abdecken und weitere 20 bis 30 Minuten bei Raumtemperatur gehen lassen. Erst jetzt den Backofen auf 180 °C Ober-/Unterhitze (oder 160 °C Umluft) vorheizen. Eigelb und Milch verquirlen und die Häschen damit dünn bestreichen — nicht zu dick, sonst läuft die Glasur in die Vertiefungen und verbrennt. Wer möchte, streut jetzt Hagelzucker über die Ohren. Im vorgeheizten Ofen 16 bis 18 Minuten backen, bis die Oberfläche tief goldbraun ist und die Küche nach frisch gebackenem Hefeteig riecht. Auf einem Gitterrost vollständig auskühlen lassen.

Mein Küchentipp

Der häufigste Fehler beim Hefeteig ist Ungeduld. Wer die Gehzeiten verkürzt, bekommt dichte, brotartige Hasen statt luftiger Frühlingsfiguren. Im April lässt sich die zweite Gehzeit auch auf dem Balkon nutzen — solange die Sonne scheint und kein Wind geht, ist die Temperatur ideal. Für eine intensivere Farbe die Häschen in den letzten drei Minuten kurz auf Oberhitze schalten. Und wer einen milderen Geschmack möchte, ersetzt die Zitronenschale durch einen Teelöffel abgeriebene Orangenschale — das passt besonders gut zu frühlingsfrischen Begleiterinnen wie Erdbeermarmelade.

Getränke-Empfehlungen zum Osterfrühstück

Verdrehte Osterhäschen sind ein klassisches Frühstücks- und Brunchgebäck: leicht süß, luftig, mit einer Butterigkeit, die nach einer ausgewogenen Begleitung verlangt.

Ein frisch gebrühter Milchkaffee oder ein Flat White aus mittelgeröstetem Arabica bringt die nötige Bitterkeit, um die Süße des Hefeteigs zu balancieren. Wer Tee bevorzugt, greift zu einem Darjeeling First Flush — der frische, leicht blumige Charakter passt hervorragend zur Vanille- und Zitrusnote im Teig. Für die jüngsten Ostergäste: ein Glas gekühlte Mandelmilch oder ein leichter Fruchtnektar aus Aprikose.

Hintergrund: Osterhäschen aus Hefeteig

Hefeteig-Figuren zu Ostern haben in deutschsprachigen Ländern eine lange Tradition, die weit in das 19. Jahrhundert zurückreicht. Bäckereien im Rheinland, in Bayern und in Berlin boten saisonal geformte Hefestücke an — Hasen, Lämmer, Küken — als essbares Zeichen des Frühlings und der christlichen Auferstehungszeit. Die Formen wurden von Generation zu Generation weitergegeben, oft in Familienbäckereien ohne schriftliches Rezept. Die Technik des Verdrehens zweier Stränge — auch Flechttechnik genannt — ist dabei kein modernes Konzept, sondern eine handwerkliche Tradition, die auch bei Hefezöpfen und Challah-Brot angewendet wird.

Enie van de Meiklokjes, die in Berlin aufgewachsene Konditorin und TV-Moderatorin, hat diese Technik in den sozialen Medien und in ihren Sendungen popularisiert und dabei betont, dass das Formen von Hand — ohne Ausstecher und ohne Silikonformen — der entscheidende Unterschied ist. Ihre Version der Osterhäschen ist eine Hommage an das nordeuropäische Frühlingsgebäck: schlicht in der Optik, präzise in der Technik, und mit einer Lockerheit, die nur durch einen gut gegangenen Hefeteig entsteht.

Nährwerte (pro Häschen, Richtwerte)

NährstoffMenge
Kalorien~210 kcal
Eiweiß~5 g
Kohlenhydrate~32 g
davon Zucker~8 g
Fett~7 g
Ballaststoffe~1 g

Häufig gestellte Fragen

Kann man den Teig am Vortag vorbereiten?

Ja, und es empfiehlt sich sogar. Den Teig nach dem ersten Kneten abgedeckt über Nacht im Kühlschrank gehen lassen — die langsame, kalte Gärung entwickelt ein deutlich komplexeres Aroma. Am nächsten Morgen den Teig etwa 30 Minuten bei Raumtemperatur akklimatisieren lassen, bevor man mit dem Formen beginnt.

Wie lange halten sich die Häschen frisch?

Hefeteiggebäck schmeckt frisch am besten — idealerweise am Tag der Zubereitung. In einem Brotkasten oder einem luftdicht verschlossenen Behälter bleiben die Häschen bis zu zwei Tage weich. Alternativ lassen sie sich eingefroren bis zu einem Monat aufbewahren und bei Raumtemperatur oder kurz im Ofen bei 150 °C aufgewärmt servieren.

Kann man Trockenhefe statt frischer Hefe verwenden?

Ja, ein Päckchen Trockenhefe (7 g) ersetzt einen Würfel frische Hefe (42 g) vollständig. Die Aktivierung in lauwarmer Milch ist identisch. Der einzige Unterschied liegt im leicht weniger intensiven Hefeduft — im Ergebnis sind die Häschen bei gleicher Gehzeit genauso locker.

Was tun, wenn die Hasenohren beim Backen umfallen?

Das passiert, wenn die Ohren zu lang oder zu dünn geformt wurden, oder wenn der Teig beim zweiten Gehen überreif geworden ist. Die Ohren sollten maximal 5 cm lang sein und an der Basis leicht angedrückt werden. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, steckt kleine Zahnstocher seitlich in die Ohren, die man nach dem Backen wieder entfernt.

Geht das Rezept auch vegan?

Mit einigen Anpassungen ja: Pflanzliche Milch (Hafermilch oder Sojamilch) funktioniert als Ersatz für Vollmilch gut. Die Butter lässt sich durch vegane Margarine ersetzen, und die Eier im Teig können durch 2 EL Apfelmus pro Ei approximiert werden — die Textur wird etwas weniger federleicht, bleibt aber angenehm weich. Zum Bestreichen genügt dann einfach Pflanzenmilch gemischt mit einem Teelöffel Ahornsirup.